| Versuch
1. Gas-Flüssigkeits-Chromatographie |
![]() |
|
1. THEORETISCHE GRUNDLAGEN 1.1 Trennung und Analyse von StoffgemischenTrennmethoden, bei denen die unterschiedliche Verteilung der Gemischkomponenten auf zwei Phasen ausgenutzt wird, bezeichnet man als chromatographische Methoden. Ist eine der beiden Phasen gasförmig, wird das Verfahren Gaschromatographie genannt. Im folgenden wird die Gas-Flüssigkeits-Chromatographie beschrieben, also der Fall, dass die eine Phase gasförmig, die zweite flüssig ist. Die Verteilung eines Stoffes zwischen zwei Phasen ist in Abb. 1 dargestellt. Für die Konzentration cI und cII eines Stoffes, der in den Phasen I und II gelöst ist, gilt |
|
|
α = { Verteilungskoeffizient} |
(1) |
|
falls die Lösungen sehr verdünnt sind und der Stoff in beiden Lösungsmitteln monomer vorliegt. Für verschiedene Stoffe ist der Verteilungskoeffizient α für das gleiche Lösungsmittelpaar im allgemein verschieden. Verschiedene Stoffe werden auf diese Weise in einer der beiden Phasen verschieden stark angereichert. Alle chromatographischen Trennverfahren beruhen auf multiplikativer, d.h. wiederholter Verteilung der zu trennenden Komponenten einer Mischung zwischen zwei Phasen in kontinuierlicher, also dynamischer Arbeitsweise. Beim Gaschromatographen erfolgt die Anreicherung kontinuierlich, indem man das zu trennende Gasgemisch in einem Trägergasstrom (die mobile Phase II) fortbewegt und an einer stationären flüssigen Phase (Phase I) vorbei bewegt. |
|
Abbildung 1 |
|
|
Wir wollen das Prinzip des Verfahrens an Hand der Abb. 2 näher betrachten. Wir gehen davon aus, dass kontinuierlich ein Strom des Trägergases durch die flüssige Phase in der Mischzelle geleitet wird. Nach dem Austritt aus der Mischzelle strömt das Gas durch eine Messzelle, in der seine Wärmeleitfähigkeit gemessen wird; die Wärmeleitfähigkeit ändert sich, wenn in dem Trägergas eine Probe der zu untersuchenden Substanz gelöst ist. Die Messzelle ist mit einem Anzeigegerät verbunden, dessen Ausschlag, wie weiter unten näher begründet wird, proportional zur Konzentration der zu untersuchenden Stoffe in dem Trägergas ist. (An Stelle der Wärmeleitfähigkeit können grundsätzlich auch beliebige andere Stoffeigenschaften [welche?] herangezogen werden). Wir gehen davon aus, dass in der Flüssigkeit in der Mischzelle ein Substanzgemisch (Komponenten A und B) gelöst ist. Beide Komponenten lösen sich etwas in dem Trägergas und werden dadurch nach und nach aus der Flüssigkeit herausgespült. Nehmen wir an, dass sich die Komponente B in der flüssigen Phase besser löst als die Komponente A, dann reichert sich die Komponente A in der Gasphase über der Flüssigkeit an. Im nachströmenden reinen Trägergas löst sich aus der Flüssigkeit bevorzugt die Komponente A, aber auch die Komponente B. |
|
Abbildung. 2: a) Auftrennung eines Gemisches zweier Komponenten A und B nach einmaligem Durchgang durch eine Mischzelle, b) Ausschlag des Anzeigeinstruments |
|
|
Nach einiger Zeit ist die Komponente A praktisch ganz herausgelöst, so dass schließlich nur noch Anteile der reinen Komponente B in die Gasphase übergehen. Schematisch ist dies in Abb. 2a so dargestellt, dass ein Gasstrom die Mischzelle verlässt, der vorne aus der reinen Substanz A, am Ende aus der reinen Substanz B und in der Mitte aus einer Mischung beider Substanzen besteht. Beim Durchströmen der Messzelle erhält man einen Ausschlag des Messinstrumentes, der von Null auf ein Maximum~ (reine Komponente A) steigt, dann etwas abfällt (verdünnte Mischung von A und B) und schließlich ein zweites Maximum (reine Komponente B) erreicht (Abb. 2b). Schaltet man eine große Anzahl von Mischzellen hintereinander, kann die Auftrennung des Gemisches so weit gehen, dass nach Durchströmen der letzten Mischzelle die Komponenten A und B völlig getrennt in die Messzelle strömen. Den gleichen Effekt erzielt man, wenn man den Trägergasstrom ( H2, He ) durch eine lange (1-100 m) Säule schickt, die mit der stationären flüssigen Phase angefüllt ist; damit die Flüssigkeit nicht zusammen mit dem Gas wandert, wird sie z.B. auf einem festen porösen Träger aufgetragen (gepackte Säule) oder direkt auf die Innenwand der Säule als Film aufgetragen (Kapillarsäule). Die Trennsäule besteht aus Glas-, Stahl- oder Nickelmetallrohr von 1-50mm bzw. 30-500 μ m (gepackte bzw. Kapillarsäule) Durchmesser. Das Gaschromatogramm (Ausschlag des Anzeigeinstrumentes in Abhängigkeit der Zeit) für diesen Fall ist in Abb. 3 dargestellt. |
|
Abbildung. 3: Auftrennung eines Gemisches zweier Komponenten A und B nach dem Durchgang durch eine Säule |
|
|
Die Zeiten tA und tB bis zum Auftreten der Bandenmaxima sind bei konstanter Versuchsanordnung charakteristische Größen für die betrachteten Substanzen, so dass mit Hilfe der Gaschromatographie qualitative Analysen von Substanzgemischen möglich sind. Die Flächen unter den Banden sind, wie weiter unten gezeigt wird, proportional zu den angegebenen Mengen A und B in dem Gemisch, so dass auch quantitative Analysen möglich sind. Im allgemeinen gibt man zusammen mit der zu untersuchenden Substanz etwas Luft in die Trennsäule. Die Luft wird in der flüssigen Phase praktisch nicht gelöst und gelangt genauso schnell zur Messzelle wie das Trägergas. Die Bande, die der Luft zuzuordnen ist, erscheint zur Zeit t o ; t o bezeichnet man als Totzeit. Die Zeit tR , nach der das Maximum der Banden A und B erscheinen, bezeichnet man als Gesamtretentionszeit. Die Güte einer chromatographischen Säule unter den gegebenen Betriebsbedingungen kann über die theoretische Trennstufenzahl (die Zahl der theoretischen Böden) aus der Position des Peaks (auf der Zeitachse des Chromatogramms) und aus seiner Breite bestimmt werden. Im Falle von symmetrischen Peaks, die wie Gauß-Kurven behandelt werden können, ist die Trennstufenzahl n einfach aus der normierten Breite des Peaks in halber Höhe ( b0,5 ) zu berechnen. |
|
|
|
(2) |
|
Für die Berechnung der Trennstufenzahl muss natürlich die Gesamtaufenthaltszeit tR in der Säule eingesetzt werden, da zur Peakverbreiterung auch die Diffusionsvorgänge im Gasraum (in der mobilen Phase) beitragen. Stellt man sich vor, dass das zu trennende Gemisch eine größere Folge von Verteilungsvorgängen mit Einstellung des durch den Verteilungskoeffizienten charakterisierten Gleichgewichts durchläuft wird der Begriff theoretischer Boden oder Trennstufenzahl verständlich. Tatsächlich kommt es aber wegen des kontinuierlichen Stofftransports in der mobilen Phase, nie zur vollständigen Einstellung des Gleichgewichts, und damit zur Verbreiterung der Zonen bzw. der gemessenen Peaks. Nur scheinbar also kann man von der Zahl der Gleichgewichtseinstellungen sprechen und diese mit der Zahl der in der Säule wirksamen Trennstufen korrelieren (Abb.~4). Die Trennstufenzahl hängt natürlich von der Säulenart ab sowie vom Trägergasstrom und von der Temperatur. Im Gegensatz zur Rektifikation, bei der die Auftrennung eines Substanzgemisches allein durch die Anzahl der theoretischen Böden gegeben ist, besteht bei der Gaschromatographie die Möglichkeit, durch Variieren der Säulentemperatur und der Art der stationären Phase den Verteilungskoeffizienten und damit den Trennvorgang zu beeinflussen. Gemische, die sich durch Destillation grundsätzlich nicht trennen lassen (z. B. azeotrope Gemische), können gaschromatographisch durchaus trennbar sein. |
|
Abbildung. 4: Stoffaustausch und -transport in einer chromatographischen Säule sind optimal, wenn möglichst viele Phasenübergänge bei möglichst geringer Verbreiterung der ursprünglich aufgegebenen Zonen stattfinden. |
|
2. Experimenteller Teil 2.1 ApparatebeschreibungIn Abb.6 ist der grundsätzliche Aufbau eines Gaschromatographen dargestellt. Einer Bombe wird das Trägergas (He) entnommen und einseitig über einen Einspritzblock für die zu untersuchende Flüssigkeit und die Trennsäule auf die Messzellen M und andererseits über eine Vergleichssäule auf die Messzellen V geleitet. Strömt das Gas durch beide Säulen gleich schnell hindurch und befindet sich keine Probe in der Trennsäule, dann zeigt das Anzeigeinstrument die Spannung Null an. Der Einspritzblock enthält eine Dichtung aus Silikonkautschuk, die mit einer Injektionsspritze, in der sich die Probensubstanz befindet, durchstochen wird. Mit Hilfe des Strömungsmessers wird kontrolliert ob die Trägergasgeschwindigkeit durch die Säule konstant bleibt. Säuleneingangs- und Säulenausgangsdruck werden mit Membranmanometern gemessen. Die gesamte Anordnung befindet sich in einem Thermostaten und wird dadurch auf der gewünschten Messtemperatur gehalten. |
|
Abbildung. 6: Aufbau eines Gaschromatographen |
|
|
In den Messzellen wird die Wärmeleitfähigkeit des durchströmenden Gases gemessen (Wärmeleitfähigkeitsdetektor, WLD). In Abb. 8 sind in vier Messkammern vier temperaturempfindliche Messelemente (Heizdrähte) angeordnet und elektrisch in einer Wheatstoneschen Brückenschaltung verbunden. Durch die Kammern V3 und V4 fließt nur reines Trägergas hoher Wärmeleitfähigkeit, durch die in Serie geschalteten Zellen M1 und M2 strömt das aus der Säule austretende Gemisch Trägergas plus aufgetrennte Komponenten. Alle Verbindungen, die auf diese Weise den Detektor durchwandern, haben eine wesentlich geringere Wärmeleitfähigkeit als das Trägergas. Dadurch sinkt die Wärmeabfuhr von den Heizdrähten (Abb. 7). Diese werden heißer, nehmen einen anderen Widerstand an, so das die Brücke aus ihrem Gleichgewicht fällt. |
|
Abbildung. 7: Aufbau der Messzelle
|
|
|
Die Wärmeleitfähigkeitsdetektoren gehören zur Gruppe der Detektoren, deren Signal konzentrationsabhängig ist. Die Änderung Δ λ der Wärmeleitfähigkeit des Trägergases kommt dadurch zustande, dass ein Teil der Trägergasmoleküle durch Moleküle der untersuchten Probe ersetzt werden. Meist wird als Trägergas ein Gas mit hoher Wärmeleitfähigkeit verwendet (hier He); die Wärmeleitfähigkeit eines in einem Gaschromatographen untersuchten Stoffes ist wesentlich kleiner, wenn die molare Masse dieses Stoffes viel größer ist als die molare Masse des Trägergases. Die Moleküle der Probe tragen dann zur Gesamtwärmeleitfähigkeit praktisch nicht mehr bei. Die Wärmeleitfähigkeit λ des Gasstroms nimmt deshalb proportional zur Konzentration c des im Gas gelösten Stoffes ab. |
|
|
|
(20) |
|
Die Konstante κ hängt von der Art des Trägergases ab. Die Fläche F der Banden in Abbildung. 8. |
|
|
|
|
Abb. 3 ist wegen der Proportionalität zwischen dem Schreiberausschlag y und der Konzentration c der Probe |
|
|
|
(21) |
|
wobei das Integral über die gesamte Fläche der Bande zu erstrecken ist. Bei konstanter Strömungsgeschwindigkeit des Trägergases ist das durchgeströmte Gasvolumen V proportional zur Strömungszeit t ( es ist also dV · dt ); weiter gilt: c = dν / dV (dν = Stoffmenge der im Gasvolumen dV enthaltenen Substanz) und somit |
|
|
|
(22) |
| also die Bandenfläche proportional zur Stoffmenge n der angegebenen Substanz. |
2.2 Aufgaben
Für Aufgabe 4 (Q bzw. V∞g ) ist eine Fehlerrechnung zu machen. Bitte alle Kurven mit sinnvollen Fehlerbalken versehen und alle erechneten Werte mit Fehler, sowie Gerätefehler angeben. |
2.3 Ausführung der MessungenDer Versuch wird mit einem Gaschromatographen mit Wärmeleitfähigkeitsmesszelle ausgeführt. Die Trennsäule enthält Trägermaterial, auf die im Datenblatt angegebene Substanz als stationäre Phase aufgebracht ist. Der Gaschromatograph wird auf 70 oC aufgeheizt. Nach (!) Einschalten des Trägergasstromes wird der Heizstrom der Wärmeleitfähigkeitszellen eingeschaltet (festeingestellten Wert nicht verändern) und die Nulllage des Katharometers einreguliert (angeschlossener Kompensationsschreiber zeigt keinen Ausschlag). Nullabgleich zunächst mit geringster Empfindlichkeit (Abschwächung 1024) grob vornehmen und dann bei Erhöhung der Empfindlichkeit nachregulieren. Für die Aufgaben 1-3 wird ein mittlerer Wert des Trägergasstromes eingestellt (0,7 bar Eingangsdruck) und für Aufg. 4: 0,7; 0,9; 1,1 bar. Der Trägergasstrom wird mit einem Seifenblasendurchflussmesser bei der Umgebungstemperatur Tu[K] und -druck Pu [atm] ermittelt. Nach Sättigung des Trägergases mit { H2O } wird am Seifenblasenmesser die Ausströmzeit taus für ein bestimmtes Volumen Vaus gemessen. Der auf Säulentemperatur T[K] und -ausgangsdruck Pa [atm] korrigierte Trägergasstrom Q ergibt sich dann aus: |
|
|
|
(23) |
|
wobei PH2O [atm] der Sättigungsdampfdruck von Wasser bei Tu ist. Zum Einspritzen der Proben wird eine Dosierspritze mit 10 μ l Inhalt benutzt. Mit den Proben (~ 1 μ l ) wird immer etwas Luft eingegeben, um die Nettoretentionszeit tr = tR -t o (vgl. Abbildung 3) berechnen zu können. Die Empfindlichkeit und die Papiergeschwindigkeit des Schreibers müssen so eingestellt werden, dass sich die Banden von der Nulllinie abheben und genügend genau ausgemessen werden können. Für die Aufgabe 1 ist anzunehmen, dass tR ~ tr . Zur Bestimmung der Bandenflächen werden die Kurven auf Transparentpapier (wird ausgehändigt) übertragen, ausgeschnitten und gewogen; durch Vergleich mit dem Gewicht von 10 cm2 desselben Papiers erhält man die Flächen F. |
Empfohlene Literatur:
Zur Thermodynamik:
|
Datenblatt |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Tabelle 1. Substanzeigenschaften bei 70 o C
|
|
|
||||
| Uni-Startseite | PCI-Startseite | Startseite des AK Wolfrum | Suche | ||||
|
||||